Geschichte Das erste Auftreten erfolgte 1968 in Norwalk, USA. 1972 konnte das Norwalk-Virus elektronenmikroskopisch nachgewiesen werden. 2002 erfolgte die Umbenennung in Norovirus. Das Virus Das Noro-Virus ist ein sehr widerstandsfähiges Virus, das auch außerhalb des Körpers längere Zeit überleben kann. Es zeigt eine deutliche Resistenz gegenüber Desinfektionsmitteln und Umwelteinflüssen. Die Noroviren gehören zur Familie der Caliciviridae und sind 4x kleiner als Grippeviren. Die Erreger sind sehr widerstandsfähig gegen Temperaturschwankungen zwischen minus 20°C und plus 60°C. Es besteht eine hohe Ansteckungsgefahr. Schon 10-100 Viruspartikel reichen aus, um eine Infektion zu auszulösen. Epidemiologie Noroviren sind weltweit verbreitet. Der Mensch ist das einzige Erregerreservoir. Norovirusinfektionen können das ganze Jahr über auftreten, der Schwerpunkt liegt aber in den Wintermonaten von Oktober bis März. Im Winterhalbjahr 2009/2010 wurden ca. 180.000 Fälle offiziell gemeldet, die Dunkelziffer ist sehr viel höher. Gehäufte Ausbrüche mit Magen-Darmgrippe treten vor allem in Gemeinschaftseinrichtungen, wie Krankenhäusern, Altenheimen, Schulen und Zeltlager auf. Ein viel beachteter Ausbruch fand auf dem Kreuzfahrtschiff Queen Elisabeth II 2007 statt. Hier erkrankten 300 Menschen an der Magen-Darmgrippe. Im Juli 2010 kam es auf einer Allgäuer Berghütte zu einem Ausbruch bei Bergwanderern. Die Übertragung erfolgt von Mensch zu Mensch durch Körperkontakt, aber auch über Gegenstände (z.B. Türgriffe), Kleidung und Nahrungsmittel. Hauptansteckungsquelle ist der Stuhlgang sowie Erbrochenes und das bei Erbrochenem entstehende Aerosol. In einem Gramm Stuhl sind 10 Millionen Viruspartikel enthalten. Eine Ansteckungsgefahr des Patienten besteht noch über das Abklingen der Symptome hinaus für bis zu zwei Wochen. Die Erkrankung Die Inkubationszeit (Zeit zwischen Aufnahme des Virus und Symptombeginn) beträgt 6 bis 50 Stunden. Die Symptome sind Erbrechen, starke Durchfälle mit Flüssigkeitsverlusten und Salzverlusten, starkes Krankheitsgefühl und Durstgefühl, Kopfschmerzen, Mattigkeit, Übelkeit. In schweren Fällen kann es durch den Flüssigkeitsverlust zum Tod kommen. Die Noroviren dringen in die Zellen der Darmwand ein und bewirken, dass massenhaft Noroviren hergestellt werden. Dadurch sterben die Darmzellen ab und können nicht mehr ihre natürliche Aufgabe der Stuhleindickung vornehmen. Da der Körper versucht, die Infektion loszuwerden, kommt es zum Erbrechen. Erbrechen kommt bei mehr als 50% der Patienten vor, wobei Jugendliche mehr an Erbrechen, Erwachsene mehr Durchfall leiden. Die Beschwerden halten meist 12-72 Stunden an. Lebensgefährlich bedroht werden vor allem Kinder unter 3 Jahren und ältere Menschen über 70 Jahren. Nach abgelaufener Norovirusinfektion kommt es nur zu einer kurzdauernden Immunität, es werden kaum Antikörper gebildet, d.h. es besteht kein Schutz nach einer Infektion wie bei anderen Erkrankungen z.B. Masern. Die Behandlung Es existiert kein Impfstoff und kein spezifisches Medikament gegen die Viren. Es bleibt nur eine symptomatische Therapie mit Flüssigkeitssubstitution und die Vorbeugung durch Hygienemaßnahmen. Aufgrund der noch bis zu zwei Wochen bestehenden Ansteckungsgefahr müssen die Hygieneregeln auch nach der Erkrankung dringend befolgt werden. Die symptomatische Therapie besteht aus intravenöser Flüssigkeits- oder oraler Flüssigkeitszufuhr. So hilft z.B. gesüßter Tee. Vorbeugende Maßnahmen Bei Infektionsverdacht muss der Patient mit Handschuhen, Mundschutz und Kittelpflege behandelt werden. Selbstverständlich ist, dass nach jedem Toilettengang ein Händewaschen nötig ist, sowie spezielle Desinfektionsmittel. Die normalen Desinfektionsmittel sind gegen Noroviren nicht ausreichend wirksam, so dass zu der Hochzeit der Norovirusinfektionen stärkere Desinfektionsmittel angewandt werden, die jedoch hautschädlicher sind. Während einer Infektionsperiode sollte man auf Händeschütteln und unnötigen Kontakt verzichten. Durch Stuhlgang und durch Erbrochenes verschmutzte Wäsche muss mit 95° gewaschen werden und die Oberflächen im Zimmer und auf der Toilette müssen mit speziellen Desinfektionsmitteln gereinigt werden. Meldepflichtig ist der labortechnische Nachweis von Noroviren und wenn 2 oder mehr Personen mit gleicher Symptomatik betroffen sind . Weiterhin werden dem Gesundheitsamt Personen gemeldet, die im Lebensmittelbereich und in Gemeinschaftseinrichtungen tätig sind sowie Kinder unter 6 Jahren. Empfehlungen für Privathaushalte
- Da das Virus am häufigsten durch direkten Kontakt zu Erkrankten (virushaltiges Erbrochenes oder Stuhl) oder indirekt über kontaminierte (verschmutzte) Flächen (z. B. Waschbecken, Türgriffe etc.) über tragen wird, kann das Infektionsrisiko allgemein reduziert werden, indem man den Kontakt zu Erkrankten meidet und auf eine sorgfältige Händehygiene (sorgfältiges Händewaschen) achtet. Bei der Betreuung von erkrankten Personen im eigenen Haushalt steht ebenfalls eine gute Hände- und Toilettenhygiene (regelmäßige Reinigung der Kontaktflächen, personenbezogene Hygieneartikel/Handtücher) im Zentrum der Maßnahmen.
- Durch Erbrochenes oder durch Stuhl kontaminierte Gegenstände und Flächen (z. B. Waschbecken, Toiletten, Türgriffe, Böden) sollten unter Benutzung von Haushaltsgummihandschuhen gründlich gereinigt werden. Hierbei ist darauf zu achten, dass es dadurch nicht zu einer Weiterverbreitung kommt (z. B. Verwendung von Einwegtüchern und deren anschließende Entsorgung). Ein Einsatz von Desinfektionsmitteln kann auch im Privathaushalt sinnvoll sein.
- Erkrankte sollten während der akuten Phase der Erkrankung (Durchfall, Erbrechen) außer zur Betreuungsperson möglichst keinen Kontakt zu anderen Haushaltsmitgliedern oder anderen Personen haben. Besonders gefährdet sind Kleinkinder und alte Menschen.
- Geschirr kann wie üblich gereinigt werden. Erkrankte sollten möglichst keine Speisen für andere zubereiten. In jedem Falle kommt der Händehygiene vor dem Essen besondere Bedeutung zu. Leib- und Bettwäsche sowie Handtücher sollten mit einem Vollwaschmittel bei Temperaturen von mindestens 60 °C gewaschen werden. Da das Virus auch nach Abklingen der akuten Krankheitssymptome in der Regel noch ein bis zwei Wochen im Stuhl ausgeschieden werden kann, müssen die genesenen Personen zumindest für diesen Zeitraum auf eine intensive Toiletten- und Händehygiene achten.
- Für die Erkrankten gelten die bei akuten Brechdurchfallerkrankungen üblichen medizinischen Empfehlungen. Neben Bettruhe ist wegen der zum Teil erheblichen Flüssigkeits- und Elektrolytverluste auf eine adäquate Zufuhr von Flüssigkeit und Elektrolyten zu achten. Nach Abklingen der akuten Symptome kann die Kost langsam wieder aufgebaut werden.
- Bei schweren Verläufen (starke Flüssigkeitsverluste durch Erbrechen, Durchfall) sollte vor allem bei Kleinkindern, älteren Patienten und Personen mit Grunderkrankungen frühzeitig ein Arzt konsultiert werden, der ggf. eine adäquate Flüssigkeits- und Elektrolytsubstitution veranlasst.
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