Welche jugendrichterlichen Auflagen können vermittelt werden?

Folgende Maßnahmen können auf der Grundlage einer jugendrichterlichen Weisung oder Auflage durch die Jugendgerichtshilfe vermittelt, eingeleitet oder durchgeführt werden. Diese Maßnahmen sind "ambulant", denn im Gegensatz zu Jugendarrest und Jugendstrafe bedeuten sie keine Freiheitsentziehung. Sie sind geeignet, um die erzieherische Zielsetzung des Jugendstrafrechtes umzusetzen:
 

Sozialpädagogische Beratung  (Gesprächsweisung):

Eine Gesprächsweisung umfasst bis zu 3 Beratungsgespräche bei der Jugendgerichtshilfe. Eine Gesprächsweisung soll zur Klärung einer bestehenden Problemlage beitragen oder in weitere Hilfen überleiten. Familienangehörige können mit einbezogen werden.

Betreuungsweisung:

Bei einer Betreuungsweisung hat sich der Jugendliche / Heranwachsende für einen bestimmten Zeitraum (3-6 Monate) der Betreuung und Aufsicht eines Betreuungshelfers zu unterstellen. Die Jugendgerichtshilfe führt diese Betreuung entweder selbst durch oder beauftragt eine SozialpädagogIn. Im Vordergund stehen sozialpädagogische Hilfen, die den Jugendlichen / Heranwachsenden in seiner Entwicklung fördern und  seine soziale Integration verbessern sollen, um der Begehung weiterer Straftaten entgegenzuwirken.

Jugendsozialarbeit:

Das Jugendgericht kann zur Teilnahme an einer Maßnahme der Jugendsozialarbeit verpfichten, wenn das Jugendamt eine solche Maßnahme gewährt. Diese  Weisung soll vor allem die schulische und berufliche Integration des jungen Menschen fördern. Der junge Mensch wird für einen bestimmten Zeitraum angewiesen, täglich an einer  Werkstattmaßnahme teilzunehmen, welche auch den Besuch der Berufsschule beeinhaltet. Nach Ablauf der Auflage besteht die Möglichkeit, auf freiwilliger Basis weiter teilzunehmen.  

Hilfen zur Erziehung:

Hilfen zur Erziehung orientieren sich am Einzelfall und können verschiedene Formen haben. Grundlage ist das Kinder- und Jugendhilfegesetz (SGB VIII). Hilfen zur Erziehung können durch den "Allgemeinen Sozialen Dienst" (ASD) oder durch die Jugendgerichtshilfe eingeleitet werden. Das Jugendgericht kann zur Inanspruchnahme einer Hilfe zur Erziehung verpflichten, wenn das Jugendamt eine solche Hilfe gewährt.

Deeskalationstraining:

Jugendstraftäter, die wiederholt Gewaltdelikte begehen, können die Weisung erhalten, an einem Trainingskurs "Deeskalationstraining" teilzunehmen. Im Gruppenrahmen soll eine Auseinandersetzung mit dem Thema Gewalt und den eigenen Gewalthandlungen erfolgen. Alternative Handlungsstrategien werden vermittelt und auch eingeübt. Der Trainingskurs wird im Auftrag der Jugendgerichtshilfe durch einen freien Träger der Jugendhilfe durchgeführt.

Schadenswiedergutmachung:

Die Schadensregulierung soll zu einem materiellen Ausgleichs des Schadens führen, den der Täter durch die Tat verursacht hat. Die Jugendgerichtshilfe vermittelt hierbei zwischen Geschädigtem und Täter.

Täter-Opfer-Ausgleich:

Die Zielsetzung des Täter-Opfer-Ausgleichs geht über eine materielle Schadenswiedergutmachung hinaus. Täter und Opfer sollen mit Hilfe einer Vermittlerin eine von allen Beteiligten akzeptierte Regelung finden. Der Täter-Opfer-Ausgleich hat eine sozial- und rechtsfriedensstiftende Funktion. Er wird im Auftrag der Jugendgerichtshilfe von einem freien Träger der Jugendhilfe durchgeführt. Er findet häufig schon im Ermittlungsverfahren Anwendung, deshalb können zahlreiche Jugendstrafverfahren vor Anklageerhebung eingestellt werden. 

Gemeinnützige Arbeiten:

Im Rahmen eines Strafverfahrens wird häufig eine bestimmte Anzahl von Arbeitsstunden auferlegt, die in einer gemeinnützigen Einrichtung geleistet werden sollen. Die Jugendgerichtshilfe vermittelt Jugendlichen und Heranwachsenden geeignete Einsatzstellen und erledigt die dazugehörigen Formalitäten. Sie steht im Kontakt mit den Einsatzstellen, um über die Ableistung zu wachen. So kann sie rechtzeitig eingreifen, motivierend auf die Jugendlichen einwirken und bei Schwierigkeiten klären.  

Soziale Gruppenarbeit:

Die Soziale Gruppenarbeit findet im Rahmen einer Holz- und Metallwerkstatt statt und hat zum Ziel, über eine regelmäßige Anbindung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer in einen gemeinsamen Arbeits- und Gruppenprozess Grundlagen zu schaffen,  um positiv auf ihre Lebensgestaltung einzuwirken. 

 Sonstige Hilfen:

Da das Jugendstrafrecht erzieherisch wirken soll,  können im Einzelfall individuelle Hilfen notwendig sein und auferlegt werden, die nicht in den Aufgabenbereich der Jugendhilfe fallen. (z.B. Suchtberatung, therapeutische Hilfen, Berufsberatung, usw.) Die Jugendgerichtshilfe wird dies mit den Betroffenen in der Regel schon vor der Gerichtsverhandlung besprechen und nötigenfalls auch vorbereiten. Sie unterstützt bei der Suche nach geeigneten Angeboten und überwacht auch in diesem Bereich die Einhaltung der Weisungen.