Was macht die Jugendgerichtshilfe?

Die Jugendgerichtshilfe berät und begleitet straffällige junge Menschen zwischen 14 und 20 Jahren während des gesamten Strafverfahrens.
Über den gesamten Zeitraum steht ein fester Ansprechpartner zur Verfügung. Die Begleitung kann bereits im Ermittlungsverfahren einsetzen und endet, wenn gerichtliche Weisungen und Auflagen erfüllt sind.

Jugendgerichtshilfe vor der Gerichtsverhandlung: 

Die Jugendgerichtshilfe wird benachrichtigt, wenn die Staatsanwaltschaft gegen einen Jugendlichen (14-17Jahre) oder einen Heranwachsenden (18-20 Jahre) Anklage erhebt. Anlässlich dieser Anklageschrift wird der Angeschuldigte ins Jugendamt eingeladen. Bei Minderjährigen sollten die Eltern an dem Gespräch teilnehmen.  Natürlich können sich Jugendliche bzw. Heranwachsende schon früher bei der Jugendgerichtshilfe melden, wenn gegen sie wegen einer Straftat ermitelt wird.

Die Auseinandersetzung mit der Straftat und die Einleitung eines Strafverfahrens führen häufig zu Verunsicherungen und Fragen, die nicht nur die Angeschuldigten, sondern auch deren familiäres Umfeld beschäftigen. Hier bietet die Jugendgerichtshilfe Informationen und sozialpädagogische Beratung an. Eine Rechtsberatung erfolgt dort jedoch nicht.Im Gespräch bei der Jugendgerichtshilfe geht es um Tatmotive, die Lebenssituation und die Entwicklung des Jugendlichen oder Heranwachsenden, nicht aber um die Tatermittlung. Sofern  sich  Problemlagen aufzeigen, wird gemeinsam besprochen, ob Hilfen zur Erziehung oder andere Unterstützungsangebote erforderlich sind. Sollte dies der Fall sein, können entsprechende Hilfen  eingeleitet oder vermittelt werden.

Auf der Grundlage des Gespräches berichtet die Jugendgerichtshilfe an das Jugendgericht und an die Staatsanwaltschaft. Dieser Bericht soll dabei helfen eine Maßnahme zu finden, die für die weitere Entwicklung des Jugendlichen / Heranwachsenden aus erzieherischer Sicht sinnvoll ist.Gleichzeitig unterstützt die Jugendgerichtshilfe den Täter dabei, den Schaden, der durch sein Handeln entstanden ist, nach Möglichkeit auszugleichen. Sofern an dieser Stelle eine Einstellung des Strafverfahrens in Frage kommt, erfolgt eine entsprechende Anregung an die Staatsanwaltschaft oder an das Gericht.
Spricht das Gericht gegen einen Jugendlichen Untersuchungshaft aus,  wird die Jugendgerichtshilfe als "Haftentscheidungshilfe"  tätig. Sie soll zu einer Entscheidungsgrundlage beitragen und Haftalternativen aufzeigen, um eine Untersuchungshaft möglichst zu vermeiden oder zu verkürzen.

Jugendgerichtshilfe während der Gerichtsverhandlung:

In der Regel wird die/der JugendgerichtshelferIn den Ablauf der Verhandlung zuvor mit dem Jugendlichen besprochen haben. Die/der MitarbeiterIn der Jugendgerichtshilfe, die/der auch das Vorgespräch geführt und den Jugendgerichtshilfebericht erstellt hat, nimmt an der Verhandlung vor dem Jugendgericht teil. Die Jugendgerichtshilfe bringt die erzieherischen und sozialen Gesichtspunkte vor dem Gericht zur Geltung. Dies geschieht auf der Grundlage des Vorgespräches und des Jugendgerichtshilfeberichtes. 
Bei der Berichterstattung wird die/der Jugendliche / Heranwachsende grundsätzlich einbezogen, so dass deren/dessen eigene Sichtweise genügend Raum findet. Bei Heranwachsenden beurteilt die Jugendgerichtshilfe deren Entwicklungsstand, damit entschieden werden kann, ob noch Jugendstrafrecht zur Anwendung kommt. In der Regel wird die Jugendgerichtshilfe einen Vorschlag unterbereiten, welche Maßnahme das Gericht aus erzieherischer Sicht aussprechen sollte oder zu den in Frage kommenden Maßnahmen Stellung nehmen.
 Die Gerichtsverhandlung endet entweder mit einem Freispruch, einer Verfahrenseinstellung oder einer Verurteilung. Welche "Strafen" oder "Maßnahmen" ein Jugendgericht verhängen kann, erfahren Sie hier:
Rechtsfolgen einer Jugendstraftat

Jugendgerichtshilfe nach der Gerichtsverhandlung:

Sofern durch das Gericht Weisungen oder Auflagen erteilt worden sind, vermittelt die Jugendgerichtshilfe in geeignete Angebote, führt diese selbst durch oder leitet bei Bedarf erzieherische Hilfen ein. Dabei werden vorrangig die "ambulanten Maßnahmen nach dem Jugendgerichtsgesetz" genutzt, die im Kreis Herzogtum Lauenburg zur Verfügung stehen:

Ambulante Maßnahmen nach dem Jugendgerichtsgesetz

Die Jugendgerichtshilfe überwacht  die Durchführung der gerichtlichen Weisungen und Auflagen, bei Schwierigkeiten bietet sie Unterstützung an.  Wer jedoch hartnäckig gegen jugendrichterliche Weisungen oder Auflagen verstößt, wird an das Gericht gemeldet und muss mit entsprechenden Konsequenzen rechnen (z.B. die Verhängung von Jugendarrest).