Inhalt

14.02. One billion rising, der andere Valentinstag

Der Valentinstag wird als Tag für die Verliebten beschrieben. Die Menschen schicken einander einen Gruß oder beschenken sich und drücken damit ihre Wertschätzung oder Liebe aus. Welch ein schöner Brauch! Doch die Welt ist nicht nur rosarot. 
Und deshalb hat sich in den letzten Jahren gerade an diesem Tag eine zweite Bedeutung für den 14.02. etabliert: One billion rising. Weltweit erheben sich Menschen gegen Gewalt, vornehmlich gegen diejenige Gewalt, die Frauen und Mädchen überall erleben. Die Menschen tanzen, demonstrieren oder veranstalten die verschiedensten Events, um auf die Situation von Gewalt an Frauen und Mädchen aufmerksam zu machen. Im letzten Jahr haben sich mehr als 1 Milliarde Frauen weltweit an dieser Aktion beteiligt. Und so wird es auch dieses Jahr sein, auch in Deutschland.
In mehr als 130 deutschen Städten werde Frauen ein Ende von Männergewalt fordern. Denn Gewalt durch Männer gegen Frauen ist ein großes Problem in Deutschland: Im Jahr 2018 wurden insgesamt 140.755 Menschen Opfer von Partnerschaftsgewalt. Davon waren 114.393 Opfer weiblich, 122 Frauen wurden getötet (Quelle: BKA).
Seit Beginn dieses Jahres wurden bereits 24 Frauen in Deutschland von ihren (Ex)-Partnern oder Familienangehörigen getötet. (Stand 5.2.20, Quelle Change.org: Petition „Stoppt das Töten von Frauen #saveXX”)
Frauen erleiden Gewalt an den verschiedensten Orten. Im Krieg, auf der Flucht, im öffentlichen Leben und in der Familie.
Die Täter sind zumeist Männer, häufig Ehemänner, Partner, Ex-Partner oder Freunde. Das gilt für deutschstämmige Männer wie auch für Männer ausländischer Herkunft gleichermaßen und für alle sozialen Schichten.
Und wer die Ermordung von Frauen als Beziehungstat, Familientragödie, Eifersuchtsdrama oder Ehrenmord bezeichnet, verharmlost die Morde und trägt dazu bei, den Grund für die Ermordung der Beziehung, der Familie oder der Herkunft zuzuschreiben und damit quasi zu entschuldigen. Der Mord an Frauen muss als das bezeichnet werden, was er ist: Femizid. Femizid bezeichnet die Ermordung von Frauen aufgrund ihres Geschlechts. Und genau das ist auch in Deutschland der Fall.

Kosten häuslicher Gewalt: 3,8 Milliarden Euro
Der Schaden und das Leid für Frauen, deren Kinder und Familien ist unermesslich. Der ökonomische Schaden der Gewalt an Frauen wird in Deutschland auf 3,8 Milliarden Euro jährlich beziffert (Studie BTU, Cottbus- Senftenberg). Dafür kommt die deutsche Gesellschaft auf.
Das Ausmaß geschlechtsspezifischer Gewalt an Frauen wird trotz der erschreckend hohen Zahl von Politik und Gesellschaft zu wenig ernst genommen oder verharmlost.

Wir fordern daher:

- ein angemessenes strafrechtliches Vorgehen gegen Femizide
- eine verbesserte bundesweite Erhebung von Daten zu Gewalt an Frauen, um das Ausmaß und die Folgen von Häuslicher Gewalt deutlich zu machen
- eine gründliche Erforschung von Gewaltpotentialen in Familie und Partnerschaft, um gezielt gegen Männergewalt vorgehen zu können
- eine angemessene und institutionalisierte Förderung der Hilfsangebote für Opfer Häuslicher Gewalt
- eine bundesweite Finanzierung von Täterarbeit
- die richtige Benennung in der medialen Berichterstattung durch die Verwendung des Begriffs Femizid