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Datum: 07.03.2014

Vielfältige Aktivitäten des Kreisarchivs

9. November 1989

Am 9. November 2014 wird es 25 Jahre her sein, dass die Mauer fiel, sich erste Durchlässe zwischen Ost und West öffneten. Zu diesem Anlass möchte das Kreisarchiv persönliche Erinnerungen dokumentieren, kleine Berichte und Erzählungen, Momente, die von damals haften geblieben sind. Dabei sollen konkrete Fragen helfen, sich die Erinnerung wieder vor Augen zu führen:

  • Der Mauerfall 1989 kam letztlich doch plötzlich, woran erinnern Sie sich als erstes, wenn  Sie an diese Tage zurückdenken?
  • Hatte der Mauerfall für Sie eine ganz persönliche Bedeutung, war er Anlass für entscheidende Veränderungen?
  • Wenn Sie heute über die ehemalige Grenze nach Mecklenburg-Vorpommern fahren, denken Sie noch manchmal daran, dass dies jahrzenhntelang nicht möglich war? Hat sich Ihr Lebensgefühl im Herzogtum Lauenburg verändert, weil Sie seit 25 Jahren keine fast  unüberwindbare Grenze mehr „im Rücken“ haben?
  • Wovon würden Sie im Zusammenhang mit dem Mauerfall einem Bürger aus Westdeutschland berichten, der nie an der Grenze zur DDR gelebt hat? 

Alle, die am Gelingen der Dokumentation mit ihren persönlichen Erinnerungen beitragen wollen, können sich an das Kreisarchiv wenden. Die Leiterin, Cordula Bornefeld, wird Ihnen gerne zuhören.

Außerdem wird das Kreisarchiv ab dem 10. November eine Themenwoche starten, in der Archivalien den Kreis bis 1989 als Zonenrandkreis darstellen, wozu Grenzberichte und Grenzkarten zählen, aber auch die umfangreiche Zonenrandförderung, mit deren Hilfe viele lauenburgische Projekte verwirklicht werden konnten. Zeitungen und Unterlagen, die die ersten Begegnungen zwischen Lauenburgern und Mecklenburgern nach dem 9. November 1989 dokumentieren, werden die Auswahl ergänzen. Im Gegensatz zu einer Ausstellung, können die Archivalien nicht nur betrachtet werden, sondern jeder, den es interessiert, kann sich näher mit den einzelnen Exponaten auseinandersetzen. Auch ist geplant, Auszüge aus der bis dahin erstellten Dokumentation vorzutragen.

Erster Weltkrieg

Aus Anlass 100 Jahre Erster Weltkrieg wird das Kreisarchiv ein paar ausgewählte Exponate in seinen Räumen auslegen und auch zum Teil auf der Internetseite des Kreisarchivs präsentieren. Dazu gehören z.B. Veröffentlichungen aus dem Lauenburgischen Haushaltungskalender, wo mit markigen Worten der Krieg gerechtfertigt und um Kriegsteilnehmer geworben wird, Zeitungsartikel, in denen die Gefallenen des Lauenburgischen Jägerkorps genannt werden oder Plakate, die gegen Ende des Krieges entstanden.

Rückblick 2013

Das Jahr 2013 war ein sehr lebhaftes Jahr für die Arbeit des Kreisarchivs. Die Zahl der Archivbenutzer steigerte sich beträchtlich, wozu auch der Tag der offenen Tür im April beigetragen hat. Die Resonanz war nicht nur am Tag selber groß, zahlreiche neue Benutzer konnten gewonnen werden, die seitdem regelmäßig die Öffnungszeiten des Kreisarchivs nutzen. Auch wächst der Kreis der persönlichen oder schriftlichen Archivnutzer stetig durch die im Internet veröffentlichten Informationen zu den Beständen. Die Anzahl der ins Netz gestellten Findbücher wird immer umfangreicher, die es dem Benutzer ermöglichen, seinen Archivbesuch vorab gut vorzubereiten, indem er sich konkret über die hier verwahrten Archivalien informieren kann.

Auch die Nachfrage der eigenen Verwaltung nach Sichtung und Klärung der Archivwürdigkeit von Unterlagen hat sich in den letzten Jahren, besonders auch 2013, intensiviert, der Kontakt zu den einzelnen Fachdiensten sich sehr verstärkt. Als Folge hat das Kreisarchiv etwa 100 Meter neue Unterlagen übernommen.

Die Veröffentlichung des Kreisarchivs von November 2005  zum Gebietsaustausch „Oma war beim Buttern...“ ist nach wie vor gefragt, so dass im Sommer 2013 bereits die 5. Auflage gedruckt wurde und bislang ca. 3.500 Exemplare verkauft werden konnten.

Projekt

Seit Herbst vergangenen Jahres wird im Kreisarchiv eine Publikation der Kreistagsprotokolle von 1946 bis 1951 erarbeitet. Das erste Protokoll ist jenes  der Kreistagssitzung am 14. Januar 1946, an der nur Mitglieder teilnahmen, die von der Militärregierung ernannt wurden. Später, ab dem 25. Oktober 1946, folgen die Aufzeichnungen der Sitzungen der gewählten Kreistage.

Es ist nach dem Ende des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkrieges eine höchst spannende Zeit, in der unter Aufsicht der britischen Militärregierung um die Etablierung einer neuen Demokratie gerungen wurde, die Entnazifizierung eine große Rolle spielte, während zeitgleich immense Probleme zu lösen waren: so die Unterbringung der großen Zahl von Flüchtlingen und Vertriebenen, Schaffung von Wohnraum und Arbeit und Organisierung des alltäglichen Bedarfs wie  Kleidung, Lebensmittel und Brennstoffe.

Neben Wortprotokollen der Kreistagssitzungen, wird die Veröffentlichung Daten zu allen Kreistagsmitgliedern beinhalten, Erläuterungen zu Abkürzungen und Begriffen, eine Liste aller Kommissionen und Ausschüsse sowie eine Übersicht sämtlicher Tagungsordnungspunkte bieten.

Die Fertigstellung der Publikation ist für Ende des Jahres 2015 geplant.

Persönlicher Rückblick

„Im Oktober 2013 waren es 20 Jahre her, dass Cordula Bornefeld die Leitung des Kreisarchivs übernommen hat. „Zwei Jahrzehnte, vollgepackt mit archivischer Arbeit, sowohl nach innen als auch nach außen. Zwei Jahrzehnte, die interessant und abwechslungsreich waren, mit vielen Begegnungen, Aufgaben und Herausforderungen“, so Cordula Bornefeld.

Zwei Säulen sind es, die den Kern ihrer Arbeit ausmachen, welche ihr immer besonders wichtig waren. „Dazu gehört das Bemühen um jeden einzelnen Archivbenutzer, ihm zu vermitteln, dass er wichtig ist und er hier unkomplizierte Bedingungen vorfindet, die er für sein persönliches Forschungsinteresse nutzen kann. Die Tür zu den „Schätzen“ des Archivs für jeden Bürger weit zu öffnen und den Zugang durch fachliche Beratung zu erleichtern“, sagte Bornefeld. „Zum anderen war es immer mein Bestreben, den Kollegen der eigenen Verwaltung zu zeigen, wo die Vorteile einer intensiven Zusammenarbeit mit dem Kreisarchiv liegen: das Archiv als Dienstleister der eigenen Verwaltung zu nutzen, um sich nicht nur Sucharbeit zu ersparen, sondern sich auch rechtlich abzusichern. Natürlich gehören beide Säulen eng zusammen, ohne die Aktenabgaben von heute, würde manches Verwaltungshandeln morgen nicht mehr nachzuvollziehen sein und noch viel später – nach datenschutzrechtlichen Fristen – auch dem Bürger nicht zugänglich gemacht werden können.“

Die Benutzung des Kreisarchivs ist in der Benutzungssatzung für das Kreisarchiv geregelt.